| Persistierender
hypoplastischer primärer Glaskörper
= PHPV = persistent hyperplastic
primary vitreous = der von der Embryonalentwicklung übriggebliebene,
nicht zurückgebildete und daher übermäßig
ausgebildete, primäre Glaskörper.
Persistierende hyperplastische Tunica
vasculosa lentis
= PHTVL = Das zur Linsenentwicklung notwendige Blutgefässgeflecht,
das sich an der Hinterfläche der Linse befindet und sich
fehlerhaft oder gar nicht zurückbildet.
Abb.
1 Gefäßsystem zur Ernährung der
Linse Am 35. Tag der Trächtigkeit (durchschnitt-liche
Trächtigkeitsdauer: Hund 63, Katze 60 Tage) 1-Gefäße
vor der Linse (Pupillar-membran),2-Gefäße
hinter der Linse (Tunica vasculosa
lentis), 3-A. hyaloidea, 4-
Netzhautanlage
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Abb.2 Blutleere Tunica vasculosa lentis vor
ihrem Verschwinden bei einer 18 Tage alten Katze
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Der Glaskörper (Corpus vitreum) ist eine
gefäßlose, glasklare, gallertige Masse, die etwa
2/3 des Augenvolumens ausmacht und den Raum hinter der Linse
ausfüllt (Abb. 3).
Der Glaskörper entsteht zur gleichen Zeit wie Netzhaut
und Linse und wird während der Trächtigkeit von
einem vom späteren Sehnervenkopf zur Linsenhinterfläche
verlaufenden Bindegewebsstrang durchzogen, in dem ein großes
Blutgefäß, die Arteria (A.) hyaloidea verläuft,
die zur Versorgung der Linse während der Embryonalentwicklung
dient (Abb. 1). Um diesen Strang entwickelt
sich der primäre (primitive) Glaskörper. An der
Linsenhinterfläche teilt sich die A. hyaloidea radär
auf und bildet die Tunica vasculosa lentis (Abb.2),
die mit dem embryonalen Gefäßsystem der Linsenvorderfläche,
der Pupillarmembran (Abb.1), in Verbindung
steht.
Etwa um den 25. Trächtigkeitstag bildet
sich um den primären Glaskörper herum der sekundäre
(definitive) Glaskörper. Der Rest des primären Glaskörpers
bleibt als sogenannter Cloquetscher Kanal, der tunnelartig
durch den sekundären Glaskörper hindurchzieht, bestehen
(Abb. 3).
Die vom Sehnerv zur Linse ziehende Arteria hyaloidea ist zum
Zeitpunkt der Geburt noch blutführend. Der endgültige
Verschluss erfolgt etwa zwischen dem 5. und 17. Lebenstag
(Abb. 2).
Der Glaskörper besitzt Substanzen, die die Gefässbildung
hemmen. Möglicherweise ist ein Fehlen dieser Faktoren
verantwortlich für die Persistenz der Tunica vasculosa
lentis (Abb.4).
PHPV/PHTVL werden als die schwerste der embryonalen Gefässanomalien
angesehen, die in vielen Fällen zu einer Linsentrübung
(Katarakt) und damit bisweilen zur Erblindung führen
(Abb.5, 6, 7).
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Abb. 3 Glaskörper (G)
und Cloquetscher Kanal
(Canalis hyaloideus )
im ausgereiften Auge
eines Hundes (Schema)
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Abb.4
Gefäße der PHTVL und Trübung Der hinteren
Linsenfläche durch PHPV. Der schwarze Fleck ist eine
Anomalie
der Hornhaut (M).
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Abb.5 Deutliche Linsentrübung
(Katarakt) und Blutreste bei PHPV/PHTVL
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Abb.6
Erblindung bei massiver Ausbildung von PHPV/PHTVL
mit blutführendem Gefäß- system hinter
der Linse
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| Abb.7
PHPV/PHTVL verläuft zwischen Linse (L) und Sehnervenkopf
(P). |
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Da die Veränderung im Auge von Geburt
an vorliegen, können sie schon beim Welpen diagnostiziert
werden und frühzeitig eine Zuchtausschlussdiagnose gestellt
werden.
Die chirurgische Behebung dieser schweren Fehlentwicklungen
ist in fast jedem Fall prognostisch sehr ungünstig bis
unmöglich, da mit starken Einblutungen in das Auge gerechnet
werden muss.
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